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Colonnaden - hinten das Rathaus |
Heute ist all das Vergangenheit, das schräg gegenüber gelegene renommierteste Musikgeschäft der Stadt 'Steinway' ist verschwunden. Im Parterre des mehrstöckigen Ladens konnte man die mächtigen Flügel bewundern, darüber gab es alle möglichen Musikinstrumente - die Hamburger Oper war ja nur ein paar Schritte entfernt. Im ersten Stock von Steinway konnte man in Kabinen Schallplatten hören, bevor man sie kaufte. In einer Nebenstrasse befand sich das Urania-Kino - hier sah unser ganze Familie Mitte der 60er den ersten Beatles-Film: "Yeah Yeah Yeah" (https://1913familienalbum.blogspot.com/2014/08/teil-www.html). Als damals dann der erste sogenannte 'Aufklärungsfilm' dort lief: "Helga - Das Wunder des Lebens" protestierten rechte Sittenwächter der Aktion "Saubere Leinwand" vor dem Kino mit Plakaten - das waren die geistigen Vorgänger der heutigen AfD. Heute erinnert nichts mehr an das Kino von einst.
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Collonaden |
Anstatt auf den Jungfernstieg, auf dem nach der Befreiung von Napoleons Truppen russische Kosaken paradierten, zieht es mich zum Gänsemarkt. Seit 1881 sitzt hier Lessing auf seinem Stuhl und betrachtet die Entwicklung dieses Platzes und der Stadt. Hinter ihm der Klinkerbau der
Finanzbehörde der Hansestadt. In letzter Zeit hatte Lessing allerdings unerwünschte Besucher, rechte Demonstranten versammelten sich hier. In meiner Kindheit war der Platz nicht verkehrsberuhigt, da warteten am Gänsemarkt Taxen auf ihre Kundschaft. Heute wirkt es sehr 'geleckt' und aufgeräumt hier. Ich nehme den Weg in die Gerhofstrasse, denn hier befand sich einst das 'Bücherkabinett' - ein Antiquariat in dem ich oft stöberte. Heute ist es verschwunden und noble Geschäfte laden die gehobenen
Stände zum shoppen. Dabei lohnt sich ein Blick in das alte Treppenhaus, denn dies hat man im Stil der alten Handelskontore liebevoll restauriert. Aber die ganzer Gegend wirkt irgendwie glatt uns künstlich belebt - die Geschäfte sind sowieso außerhalb meiner Gehaltsklasse.
Die Poststrasse entlang laufe ich Richtung Rathausmarkt, ein Blick in die Großen Bleichen erinnert mich daran, dass hier einst das Ohnsorg-Theater war und nicht weit entfernt hatte "Fahnen-Fleck" sein Geschäft, da konnte man Flaggen aus allen Ländern bekommen - heute gibt es hier nur noch Ladenpassagen,die Luxuswaren anbieten.
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Rathaus Foyer |
gerettet und steht heute im französischen Toulon. https://www.gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/gedenkort/heinrich-heine-denkmal/
Die meisten Touristen an diesem Tag betrachteten den nachdenklichen Dichter auf seinem Sockel kaum, sie wollten lieber das protzige Rathaus fotografieren. Neben dem Denkmal schlief ein Obdachloser anscheinend seinen Rausch aus - wahrscheinlich wäre dem Dichter diese Nachbarschaft ganz recht gewesen. Am Sockel findet sich Heines persönlicher Epilog: "Ich habe nie großen Wert gelegt auf Dichter-Ruhm und ob man meine Lieder preiset oder tadelt, es kümmert mich wenig, Aber ein Schwert sollt ihr mir auf den Sarg legen, denn ich war ein braver Soldat im Befreiungskampf der Menschheit."
Bevor ich mich in Richtung Hafen weiterbewegte, mache ich noch einen Abstecher zur Binnenalster. Einst fuhren vom Jungfernstieg aus Barkassen als Nahverkehrs-Fähren verschiedene Haltestellen an der Außenalster und in den Fleeten (Kanälen) an. Dann wurde der Linienverkehr mangels Rentabilität eingestellt - heute bieten noch einige der alten Schiffe Alsterrundfahrten an. Die Möven an der Alster lassen sich glücklicherweise vom Touristenrummel nicht beeindrucken.
Man mag sich gar nicht vorstellen, was für wahnwitzige Ideen man im SPD-Senat der 60/70er Jahre für den Stadtteil St.Georg hatte. Hinter dem Hauptbahnhof gelgen, sollte er einer futuristischen
...ob sie wohl Emma heißt? |
Unten Büsumer Scholle (Krabben) rechts Finkenwerder Kutterscholle (Speck) |
Jan Reetze: Steinway hatte nicht nur alle möglichen Instrumente, die hatten auch so ziemlich alles, was es an Notenmaterial und Musikbüchern gab. Die Plattenabteilung hatte einen unglaublichen Bestand an Jazzplatten, und der Verkäufer kannte die alle. Und meinen ersten Synthesizer habe ich bei Steinway gekauft.
AntwortenLöschenDas Urania-Kino gehörte zusammen mit dem Esplanade und dem Dammtor-Kino, als es noch nicht das Metropolis war. Meine Großtante Else saß immer in einem der drei Kinos an der Kasse. Unvergessen ihre Art, englische und amerikanische Namen oder Filmtitel konsequent deutsch auszusprechen. Außerdem, wenn jemand sie nach ihrem Beruf fragte, pflegte sie immer zu sagen, sie sei in der Filmbranche tätig.
Und ich muss wiedersprechen: Die USA sind auch heute kein Albtraum. Ihr Präsident mag einer sein, aber er ist nicht die USA. Wer das glaubt, kennt die Denkweise der Amerikaner nicht.
Dass das Streits-Kino weg ist, wusste ich gar nicht. Kann es sein, dass wir dort "Rendezvous unter dem Nierentisch" gesehen haben?
Und immer, wenn ich Möwen sehe, muss ich an irgendeine der Kneipen rund um die Uni denken, wo ich dermaleinst mit einer Freundin bei einer Tasse Kaffee saß und aus dem Radio oder sonstwoher Hans Hartz' "Die weißen Tauben sind müde" tönte -- woraufhin sie mich ansah und fragte: "Was singt der da bitte? Die weißen Tauben sind Möwen?"