Vorbemerkung:
Alles was ich hier schildere wurde mir von meinen Familienangehörigen erzählt. Natürlich sind solche Berichte nur bedingt dokumentarisch, vor allem, wenn diese Geschichten Jahrzehnte später erzählt wurden und alle Gesprächspartner heute nicht mehr leben. Manches habe ich aus Dokumenten ergänzt, manches mit etwas Phantasie versucht, lebendiger zu illustrieren. Diese deutsch-französische Familiengeschichte ist auch ein Spiegel einer Epoche - von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.
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'Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen'
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1939 |
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1940 Kaserne Hamburg Bahrenfeld |
Etwa einen Monat nach Kriegsbeginn, am 23. September
1939 wurde er im Rang eines Schützen zur Wehrmacht eingezogen. Im Soldbuch mit der
Nummer 69, blickt auf dem Foto ein magerer junger Mann mit hoher Stirn,
zurückgekämmten Haaren und weichem Mund. Mit angedeutetem Lächeln wirkt er eher müde und nachdenklich. Bald stellte sich heruas, das Heinz nicht fronttauglich war, die bereits während
seiner Jugend aufgetretenen Magenbeschwerden hatten sich zu Geschwüren
entwickelt. Laut Soldbuch lag er deshalb am 18.Oktober 1939 für mehrere Wochen in
verschiedenen Lazaretten. Körperlich und seelisch angeschlagen, war er massiv abgemagert und schrieb einen Brief an seine Schwester Käthe. Die 25-Jährige war, nach Ende ihres
Arbeitsdienstes Leiterin beim Roten
Kreuz und ihr war klar, dass sie sofort handeln musste. Sie zog ihre Dienstkleidung an und fuhr in
das Reservelazarett nach Hamburg, in dem Heinz lag. Der Anblick ihres Bruders schockierte sie, der 1,83 Meter große Mann wog gerade noch 50 Kilo. Er erzählte seiner
Schwester, er bekomme Bratkartoffeln und Kohl zu essen, was er nicht bei
sich behalten könne. Heinz weinte und klagte über sein eiskaltes Krankenzimmer. Käthe sagte dem anwesenden Wehrmachtspfleger,
sie würde das Krankenzimmer nicht verlassen, bevor der zuständige Arzt bei ihr
erscheine. Er kam und Käthe forderte ihn auf, ihren Bruder umgehend
in ein ziviles Hamburger Krankenhaus zu verlegen. Dabei dürfte ihr Position beim Roten
Kreuz Wirkung gezeigt haben – jedenfalls kam Heinz ins Krankenhaus nach Hamburg-Barmbek. Die
Geschwüre waren aber so fortgeschritten, dass ihm dort der halbe Magen
entfernt werden musste.
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Arbeitsdienst - Käthe war dabei |
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Nach der Magenoperation 1940 |
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Heinz Portrait PK 501 |
Bundesrepublik ihre publizistische Karriere ungehindert fortsetzten können: Karl Holzamer (ZDF-Intendant), Ernst von Khuon (ARD-Wissenschaftsjournalist), Heinz Maegerlein (ArD-Quizzmaster) Henri Nannen (STERN-Chef), Herbert Reinecker (ZDF „Der Kommissar“ und „Derrick“), Jürgen Roland (NDR „Stahlnetz“ und „Großstadtrevier“), Ernst Rowohlt (Verleger), Peter von Zahn (ARD-Journalist, Windrose).
Mit der Propaganda-Kompanie nach Frankreich
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Westwall bei Trier - Heinz rechts |
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Compiegne1940 - Deutsche 'Sieger' |
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Heinz 1940 beim 'Echo du Nord' Lille |
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Paris: Heinz vorne links in Uniform |
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Heinz links |
Mit der Legalität nahmen es die 'Sieger' damals nicht so genau, praktisch wurde Frankreich nach dem Waffenstillstand und der Besetzung ausgeplündert. Soldaten schickte Pakete mit Konsumgütern, die in Deutschland schon lange vom Markt verschwunden waren und bezahlten sie mit faktisch wertlosem Wehrmachtsgeld. Darüber dachten Heinz und seinen Kameraden nicht nach, sie ließen es sich gut gehen, eines Tages bemerkte er, dass ein französischer Nachbar häufiger in seinem Keller verschwand, um nach einiger Zeit angeheitert zurückzukehren. Heinz und Kameraden durchsuchten den Keller und fanden hinter einer frisch gemauerten
Wand einen versteckten Weinkeller. Den Rest kann man sich denken - und der Franzose wagte es nicht, die Plünderer anzuzeigen. In der Erinnerungsschrift seiner Propagandakompanie wurde dieser ungesühnte Diebstahl launig geschicldert. Heinz überspannte mit seinem Alkoholgenuss aber den Bogen und fuhr eines Tages den Wagen eines Offiziers im Vollrausch an einen Laternenmast. Er wurde bestraft, der Rang des Sonderführers
aberkannt. Allerdings wurde er im Sommer 1940 zum
Gefreiten und ein Jahr später sogar Unteroffizier befördert - den Rang des Sonderführers erhielt
er zurück.
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1942/43 Frankreich Heinz Zivil 2. von rechts |
Wehrmachtsangehörigen viele französische Hilfskräfte. Hier wurde außer den Blättern für die Soldaten eine Zeitung für die französische Bevölkerung produziert. Wegen seiner guten Sprachkenntnisse gelang es Heinz schnell, Kontakt zu den französischen Mitarbeitern zu bekommen - er liess dabei durchblicken, kein 'gefolgstreuer' Nazi zu sein. Das sollte ihm nach 1945 noch bei der Entnazifizierung helfen. Auf jeden Fall 'fraternisierte' Heinz in Lille bereits 1940 mit der weiblichen Bevölkerung und sie mit ihm. Der junge Deutsche war sympatisch, sprach ihre Sprache und fiel so in seiner Zivilkleidung in der Öffentlichkeit nicht auf. Nach Kriegsende sagte Heinz, sein PK-Staffelführer der PK habe 1943 in Lille festgehalten: "Er hat das Recht, Uniform zu tragen, aber er macht wenig Gebrauch davon."
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